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Scherzer,
J. (2008): Projektvorstellung
WASKlim - Wasserwirtschaftliche Anpassungsstrategien an den Klimawandel;
Hydrologie und Wasserbewirtschaftung 02/2008.
Hintergrund
2005 beschloss die Bundesregierung im
Rahmen des nationalen Klimaschutzprogramms die Entwicklung einer
nationalen Anpassungsstrategie. Die Wasserwirtschaft und
wasserwirtschaftliche Fragestellungen haben hierbei eine besondere
Bedeutung, da die Komponenten des Wasserkreislaufes eine hohe
Sensitivität gegenüber den Veränderungen des Klimas zeigen. Die
Wasserwirtschaft selbst gilt als einer der hoch vulnerablen Bereiche in
Deutschland (Zebisch et al. 2005). Bei der Entwicklung von
Anpassungsstrategien für die Wasserwirtschaft ist es darüber hinaus
notwendig, wasserrelevante Fragestellungen anderer Sektoren mit
einzubeziehen. Hierzu zählen u.a. Land- und Forstwirtschaft,
Trinkwasserversorgung, Energiegewinnung, Schifffahrt, Siedlungs- und
Infrastrukturentwicklung und Tourismus.
Ziele, Methoden
Die Aufgabe von WASKlim
(www.wasklim.de), das im Rahmen des Umweltforschungsplans des
Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
gefördert (UFOPLAN Nr. 3707 41 105) und im Auftrag des Umweltbundesamtes
ausgeführt wird, ist zum einen die Unterstützung des
Entwicklungsprozesses der deutschen Anpassungsstrategie an den
Klimawandel. Hierzu zählt zunächst die Auswertung einer Befragung von
Bund, Ländern und Verbänden durch das BMU im Sommer 2007. Diese
Befragung hatte u. a. zum Ziel, die sektorale und regionale Betroffenheit
von Klimafolgen sowie bereits erfolgte und erforderliche
Anpassungsmaßnahmen zu evaluieren. Die Ergebnisse der
Fragebogenauswertung werden im Rahmen eines Gruppen-Delphis (Mintroff und
Turoff 1975, Renn und Webler 1998) für den Bereich "Wasser /
Wasserwirtschaft / betroffene Sektoren" Anfang April 2008 weiter
präzisiert und fokussiert. Zur Identifizierung von Handlungsfeldern und
zur Stragegieentwicklung wird im April 2008 in Berlin eine Konferenz unter
dem Titel "Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel -
Erwartungen, Ziele und Handlungsoptionen" stattfinden. Wesentliches
Konferenzziel ist die Aufnahme von Impulsen aus der Fachöffentlichkeit zu
Erwartungen und Zielen in Bezug auf die Deutsche Anpassungsstrategie sowie
die Identifikation von Handlungsfeldern und Handlungsoptionen. Zum anderen
soll im Rahmen von WASKlim für den Bereich Wasserwirtschaft bereits eine
konkrete Methode zur Bestimmung der Anpassungskapazität und
Vulnerabilität entwickelt werden. Da diese Begriffe nicht mit exakten
mathematischen Beziehungen erfasst werden können, bietet sich hierfür
die an der Universität der Bundeswehr München (Institut für
Wasserwesen) bereits für die Hochwasservorhersage erfolgreich angewendete
Methodik der Fuzzy-Logik an (Disse et al. 2007a, b). Der Aufbau eines
komplexen fuzzybasierten Regelwerkes zur Entscheidungsunterstützung
gestattet es, die Auswirkungen von veränderten (Klima-) Randbedingungen
und anthropogenen (Anpassungs-) Maßnahmen zu quantifizieren. Unscharfe
linguistische Begriffe wie "wenig", "ziemlich" oder
"viel" können hierbei mit Hilfe sogenannter "membership
functions" in das Regelwerk integriert werden. Auf diese Weise kann
neben exakten mathematischen Funktionen auch (unscharfes) Expertenwissen
in die Regelmatrix integriert werden. Das
Entscheidungsunterstützungssystem wird zunächst exemplarisch für drei
Testgebiete in Deutschland entwickelt und getestet. Hierbei handelt es
sich um den Oberlauf der Iller (Bayern, Alpen/Alpenvorland), die Wupper
(Nordrhein-Westfalen, Mittelgebirge) und die Salza (Sachsen-Anhalt,
Trockengebiet). Die WASKlim-Testgebiete zeichnen sich u.a. durch intensive
aktuelle und potenzielle Nutzungskonflikte zwischen der Wasserwirtschaft
und anderen Sektoren aus. Im Rahmen der Entwicklung des
Entscheidungsunterstützungssystems werden unter anderem auch
Modellsimulationen des Wasserhaushalts für die Testgebiete,
einschließlich Szenariensimulationen bis zum Jahr 2100, mit WaSiM-ETH
(Schulla und Jasper 2007) durchgeführt. Aufbauend auf diesen Ergebnissen
sollen für die drei Testgebiete Anpassungskonzepte für die
Wasserwirtschaft entwickelt werden. Diese sollen dazu beitragen, ein
Auftreten konkreter Nutzungskonflikte infolge der Klimaänderungen zu
vermeiden und einen Beitrag zu Investitions- und Planungsentscheidungen in
der Wasserwirtschaft vor dem Hintergrund zukünftiger veränderter
Rahmenbedingungen liefern.
Projektpartner
Die Gesamtleitung des Projektes, die
Öffentlichkeitsarbeit sowie die Organisation von Fachkonferenzen und
Workshops ist Aufgabe des Consultingbüros UDATA (www.udata.de). Als
Projektleiter von WASKlim fungiert Dr. Jörg Scherzer (Dipl. Geoökol.,
Fachrichtung Hydrologie). Die Hydrologen, Geoökologen und
Umweltwissenschaftler von UDATA bearbeiten außerdem das Thema
"Sensitivität und Entwicklungstendenzen der
Wasserhaushaltskomponenten" und führen die
Wasserhaushaltsimulationen für die Testgebiete mit WaSiM-ETH durch. Die
Fragestellungen zur Vulnerabilität der Wassernutzung unter Einfluss der
gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die entsprechenden
Anpassungsstrategien an den Klimawandel werden durch eine Arbeitsgruppe
unter der Leitung von Prof. Dr. Disse (Professur für Wasserwirtschaft und
Ressourcenschutz der Universität der Bundeswehr München, UniBwM,
http://www.unibw.de/ifw/WWR/) erarbeitet, mit Unterstützung durch Prof.
Dr. Jacoby (Professur für Bauprojektmanagement und Raumplanung der
UniBwM, http://www.unibw.de/ivr/raumplanung). Die Unterstützung des
Entwicklungsprozesses der nationalen Anpassungsstrategie an den
Klimawandel erfolgt unter Mitarbeit der DIALOGIK, gemeinnützige
Gesellschaft für Kommunikations- und Kooperationsforschung mbH
(www.dialogik-expert.de). Geschäftsführer der DIALOGIK ist Prof. Dr.
Ortwin Renn, Lehrstuhlinhaber für Umwelt- und Techniksoziologie an der
Universität Stuttgart.
Literatur
Disse, M., Bardossy, A., Bliefernicht,
J., Molnar, T., Pakosch, S., Yörük, A. (2007b): From meteorogical input
to inundation areas: the early warning system HORIX, in: Proceedings of
Flood Risk Management Research - From extreme events to citizens
involvement; European Symposium on Flood Risk Management Research (EFRM
2007), 6th-7th February 2007, Dresden, S. 128 - 137, ISBN 978-3-933053-5.
Disse, M., Pakosch, S., Yörük, A. (2007a): Entwicklung eines
Expertensystem zur Hochwasserfrühwarnung unter Berücksichtigung der
Vorhersageunsicherheit, Hydrologie und Wasserbewirtschaftung, 51.
Jahrgang, Heft 5, S. 210 - 215. Mintroff, I.L. und Turoff, M. (1975):
Philosophical and Methodological Foundations of Delphi. In. H.A. Linstone
und M. Turoff (Hrg.): The Delphi Method. Addison-Wesley: Reading, Mass.,
S. 17 - 36. Renn, O. and Webler, Th. (1998): Der kooperative Diskurs -
Theoretische Grundlagen, Anforderungen, Möglichkeiten. In. O. Renn, H.
Kastenholz, P. Schild and U. Wilhelm (Hrsg.): Abfallpolitik im
kooperativen Diskurs. Bürgerbeteiligung bei der Standortsuche für eine
Deponie im Kanton Aargau. Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, S. 3 -
103. Schulla, J., Jasper, K. (2007): Model Description WaSiM-ETH.
Technical report, pp. 181
(http://homepage.hispeed.ch/wasim/downloads/doku/wasim/wasim_2007_en.pdf).
Zebisch et al. (2005): Klimawandel in Deutschland - Vulnerabilität und
Anpassungsstrategien klimasensitiver Systeme. Umweltbundesamt, Climate
Change 08/05 (UFOPLAN 201 41 253), Dessau
(http://www.umweltbundesamt.org/fpdf-l/2947.pdf).
Anschrift des Verfassers Dr. Jörg
Scherzer, UDATA, Hans-Geiger-Str. 18, 67434 Neustadt, Tel.: 06321 /
998944, Email: scherzer@udata.de
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