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Konsens
bestand unter den Experten vor allem hinsichtlich der Relevanz der
Bereitstellung von Informationen und sowie der Verbesserung von
Klimaszenarien. Dies zeigte sich deutlich an der positiven Beurteilung von
Anpassungserfordernissen zur Verstärkung der Kommunikation im Bereich
Hochwasservorsorge, zur Verbesserung von Hochwasservorhersagen, zur
flächendeckenden Einrichtung eines Niedrigwasser-Infodienstes mit
Vorhersage sowie zur Ermittlung von zukünftigen Veränderungen der
Grundwasserverhältnisse.
Einige
Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und deren Umsetzung wurden
kontrovers diskutiert und nicht in allen Fällen konnte ein gemeinsames
Expertenvotum entwickelt werden. Die Beurteilung der Relevanz einzelner
Anpassungserfordernisse und die Zustimmung zu verschiedenen Maßnahmen
variierten vor allem in Abhängigkeit von der regionalen Zuständigkeit
und bisherigen praktischen Erfahrungen. Das erste wichtige Fazit des
Gruppendelphis ist es, bei allen geplanten Maßnahmen zur Anpassung an den
Klimawandel die regionalen Besonderheiten ausreichend zu berücksichtigen.
So wurde z.B. im Bereich Grundwasser die Relevanz der Ausweisung von
Vorranggebieten für die öffentliche Trinkwasserversorgung in Brandenburg
aufgrund hoher Abwanderungszahlen als gering, in Baden-Württemberg
dagegen als hoch eingestuft. Im Bereich Hochwasser wurde der HQ100 Wert,
d.h. ein Hochwasserabfluss der im statistischen Mittel alle 100 Jahre
auftritt, kontrovers diskutiert. Einige der Experten präferierten den HQ
100 - Wert und andere gaben an, dass die Bemessungsgrundlage regional
differenziert zu betrachten und deshalb zu verändern sei. Sie schlugen
Hochwasserschutzmaßnahmen basierend auf der Messung von Wasserständen
unter Beachtung von Schadenspotenzialen vor.
Die
einzelnen Anpassungserfordernisse an den Klimawandel sind präzise zu
formulieren, um etwaige Missverständnisse zu vermeiden. So wurde im
Bereich Niedrigwasser die Relevanz der Güterverlagerung vom Schiff auf
die Schiene konträr beurteilt. Allerdings zeigte die Diskussion im
Plenum, dass die divergierenden Urteile aufgrund unterschiedlicher
Betrachtungsweisen zustande kommen. So wird einer Güterverlagerung auf
die Schiene insofern eine hohe Relevanz eingeräumt, als die Straße als
alternativer Transportweg vermieden werden soll. Auf der anderen Seite
wurde die Relevanz niedriger beurteilt, weil Massengüter der Schifffahrt
häufig nicht "just in time" geliefert werden müssten und/oder
die Kapazitäten auf der Schiene nicht ausreichten, um Schifffahrtsgüter
in nennenswertem Umfang zu übernehmen.
Generell
hat das Gruppendelphi gezeigt, dass in vielen Handlungsfeldern bereits
Maßnahmen durchgeführt wurden. Teilweise war in der Diskussion
allerdings der direkte Zusammenhang mit dem Thema Klimawandel umstritten.
In diesem Kontext wurde beispielsweise im Bereich Grundwasser die
Reduktion von Düngemaßnahmen und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
kontrovers diskutiert. Einige Experten wiesen darauf hin, dass eine
ordnungsgemäße Landwirtschaft diese Aspekte bereits berücksichtigt,
andere Experten waren der Ansicht, dass der Klimawandel hier weiteren
Anpassungsbedarf notwendig macht. In diesem Sinne ist bei der Entwicklung
zukünftiger Strategien zwischen neuen, modifizierten und zu
intensivierenden Maßnahmen zu unterscheiden.
Für
die weitere Entwicklung von Handlungszielen und Maßnahmenoptionen sind
vor allem regionale Aspekte zu berücksichtigen, die Formulierungen
präzise und unmissverständlich zu wählen, sowie bereits bestehende
Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu berücksichtigen.
Flächendeckend werden Anpassungserfordernisse im Bereich Vorhersage,
Kommunikation und Bereitstellung von Informationen gesehen.
Autoren:
Schetula, V. (Dialogik), Schulz, M.
(Dialogik), Renn, O. (Dialogik) und Scherzer, J. (UDATA), 07.07.2008
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Klassisches
Delphi
Unter
den kognitiven dialogorientierten Verfahren hat sich die Delphi Befragung
besonders bewährt. Dieses Verfahren wurde von der RAND Co. Mitte der 60er
Jahre entwickelt und zunächst für die Bewertung von
Verteidigungstechnologien eingesetzt. Später wurde es vor allem als
Prognoseinstrument im Rahmen von Technikfolgenabschätzungen verwandt
(Mintroff und Turoff 1975, Benarie 1988). Das Delphi-Verfahren setzte sich
ursprünglich aus den folgenden Schritten zusammen:
(a)
Ein Forschungsteam stellt einen Fragenkatalog auf, in dem die zu
erwartenden Konsequenzen einer Maßnahme oder einer Entscheidungsoption
abgefragt werden.
(b)
Der Fragebogen wird an eine Gruppe von anerkannten Experten des
jeweiligen Fachgebiets verschickt. Die Experten beantworten die Fragen
nach bestem Wissen und schätzen die "subjektive Gewissheit",
d.h. die geschätzte Validität ihrer eigenen Antworten.
(c)
Das Forschungsteam ermittelt die Durchschnittswerte, die
Extremwerte und die Varianz der Antworten.
(d)
Der ursprüngliche Fragebogen wird zusammen mit der Auswertung der
ersten Befragung an die Experten zurückgesandt. Dabei werden alle Namen
der Experten anonym gehalten, um Beeinflussungen durch Status oder
Seniorität auszuschalten. Die Befragten werden gebeten, den Fragebogen
ein zweites Mal auszufüllen, diesmal aber mit der Vorgabe, die Ergebnisse
der ersten Befragung als Korrektiv der eigenen Urteile mit in die erneute
Urteilsbildung einzubeziehen. Zweck dieser zweiten Befragung ist es, die
Varianz der möglichen Antworten zu reduzieren und die kollektive
Urteilssicherheit zu erhöhen.
(e)
Die Schritte 2, 3 und 4 werden solange wiederholt, bis die Experten
keine Änderungen ihrer Urteile mehr vornehmen.
Im
Idealfall sortiert das Delphi-Verfahren die Bewertungen aus, die innerhalb
der Expertengruppe konsensfähig sind oder einen Dissens begründen. Durch
die Anonymisierung der Teilnehmer und den iterativen Prozess der Befragung
kann der jeweilige Kenntnisstand ohne Rücksicht auf den Prestigewert
eines jeden Teilnehmers am Delphi-Prozess dargestellt werden.
Modifiziertes
Delphi
Einer der gravierenden
Nachteile traditioneller Delphi Verfahren ist das Fehlen von Begründungen
für die eingegebenen Expertenurteile. (Hill und Fowles 1975, S. 179-192;
Benarie 1988). Deshalb haben wir eine Modifikation des Verfahrens
entwickelt: das sogenannte Gruppen-Delphi (Webler u.a. 1991, S. 253-263;
Renn und Webler 1998). Die Experten werden dabei nicht durch postalische
Befragung und Rückkopplung miteinander verbunden, sondern werden zu einem
gemeinsamen Workshop von ein bis zwei Tagen eingeladen. Wichtig ist dabei,
dass die eingeladenen Experten die in der Fachwelt diskutierte Bandbreite
an unterschiedlichen Auffassungen und Interpretationen vertreten.
Gleichzeitig sollte die Zahl der eingeladenen Experten 16-25 Personen
nicht übersteigen. Im Vorfeld oder spätestens zu Beginn des Workshops
werden den Teilnehmern die Aufgabenstellung und die Struktur des
Fragebogens erläutert. Dann werden die Teilnehmer in einer ersten Runde
in drei bis vier Gruppen aufgeteilt. Jede dieser Kleingruppen von drei bis
vier Personen erhält die gleiche Aufgabe, nämlich den erläuterten
Fragebogen auszufüllen. Konsens wird dabei angestrebt, aber abweichende
Voten sind möglich. Im Plenum müssen diejenigen Experten, deren
Bewertungen signifikant vom Mittelwert aller anderen Teilnehmer abweichen,
ihren Standpunkt eingehend vor den anderen begründen und im nicht-öffentlichen
Streitgespräch verteidigen. Sinn dieses Austauschs von Argumenten ist es,
die knappe Zeit für die Kommunikation auf die Themen zu lenken, bei denen
offensichtlich die größte Diskrepanz in den Einschätzungen auftritt.
Ziel der Diskussion ist es herauszufinden, worin der Dissens begründet
liegt und ob die Diskrepanzen durch Informationen und Argumente der
anderen Experten aufzulösen sind.
In einer zweiten Runde wird
das Verfahren in neuen Kleingruppen wiederholt. Bei der Zusammenstellung
der neuen Kleingruppen wird darauf geachtet, dass in jeder Gruppe Repräsentanten
der Extremgruppen aus der ersten Runde vertreten sind (durch Permutation
der Mitglieder). Die Abfolge von Einzelgruppensitzungen und
Plenarsitzungen wird so lange fortgeführt, bis keine signifikanten
Verschiebungen der Standpunkte mehr auftreten. Am Ende eines
Gruppendelphis erhält man in der Regel eine wesentlich eindeutigere
Verteilung der Antwortmuster. Entweder streuen die Einschätzungen der
Experten um einen Mittelwert oder es bilden sich mehrgipflige
Verteilungen. Im ersten Falle ist ein Konsens weitgehend erzielt, im
zweiten Fall kann man deutlich mehrere, von einander getrennte Positionen
ausmachen (Konsens über den Dissens). In beiden Fällen liefert das
Delphi ausführliche Begründungen für jede Position.
Dieses Verfahren zur
kognitiven Konsensfindung wird als Gruppen-Delphi bezeichnet (Webler u.a.
1991). Am Ende dieses Schrittes verfügt man über ein von den Experten
getragenes Profil vermuteter oder geschätzter Handlungsfolgen einer jeden
Entscheidungsoption auf den Kriterien, die von den beteiligten Parteien in
der vorangegangenen Wertbaumanalyse als relevant vorgeschlagen wurden.
Aufgrund der Expertendiskussionen sind auch die verbalen Begründungen für
unterschiedliche Abschätzungen als zusätzliche Informationen zu den
Profilen gespeichert.
Literatur
Benarie,
M., "Delphi and Delphilike Approaches with Special Regard to
Environmental Standard Setting," Technological
Forecasting and Social Change, 33 (1988), S. 149-158
Hill,
K. Q. und Fowles, J., "The Methodological Worth of the Delphi
Forecasting Technique," Technological
Forecasting and Social Change, 7 (1975), 179-192
Mintroff,
I.L. und Turoff, M. (1975): Philosophical and Methodological Foundations
of Delphi. In.
H.A. Linstone und M. Turoff (Hrg.): The Delphi Method. Addison-Wesley:
Reading, Mass., S. 17-36
Renn,
O. and Webler, Th., "Der kooperative Diskurs - Theoretische
Grundlagen, Anforderungen, Möglichkeiten," in: O. Renn, H.
Kastenholz, P. Schild and U. Wilhelm (eds.), Abfallpolitik
im kooperativen Diskurs. Bürgerbeteiligung bei der Standortsuche für
eine Deponie im Kanton Aargau (Hochschulverlag
AG an der ETH Zürich 1998), pp. 3-103
Webler,
Th.; Levine, D.; Rakel, H.;
and Renn, O., "The Group Delphi: A Novel Attempt at Reducing
Uncertainty," Technological Forecasting and Social Change, 39, No. 3 (1991),
253-263
Autoren:
Schetula, V. (Dialogik) und Scherzer, J. (UDATA), 12.01.2008
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